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Vom 14.-15.09.21 fand der Capital Markets Day 2021 von Bakkafrost auf den Färöer-Inseln statt.

Die Heimat von Bakkafrost

Die Färöer oder oft Färöer-Inseln („die Schafsinseln“) sind eine zu Dänemark gehö-rende Gruppe aus 18 Inseln mit autonomer Verwaltung. Sie liegen im Nordatlantik zwischen Schott-land, Norwegen und Island. Entdeckt und besiedelt wurden sie im Mittelalter.

Die gut 50.000 Inselbewohner betrachten sich mehrheitlich nicht als Dänen, sondern als eigenständi-ges Volk, das von den Wikingern auf den Färöern abstammt. Sie sprechen die färöische Sprache, die aus dem Altwestnordischen entstanden und mit dem Isländischen und dem Norwegischen verwandt ist.

Nach dem Vertrag von Fámjin aus dem Jahr 2005 bilden die Färinger, wie auch die Grönländer, eine „gleichberechtigte Nation“ innerhalb des Königreichs Dänemark. Die Färöer sind anders als das Kern-land Dänemark nicht Teil der Europäischen Union.

Bis ins 19. Jahrhundert war Schafzucht der wichtigste Erwerbszweig und färöische Wolle das bedeu-tendste Exportgut. Heute dominiert auf den Färöern die Fischerei und die mit ihr verbundene Wirt-schaft. Durch das milde Klima beträgt die Temperatur im Sommer im Durchschnitt 8,6 Grad und im Winter 4,4 Grad. Die Wassertemperatur geht von rund 5 Grad im Winter bis zu 10 Grad im Sommer. Der Wasserfall Múlafossur gilt als eine der größten Attraktionen der Färöer.

 

Laut Bürgermeister Torbjorn Jacobsen, der uns im Bus begleitete, ist auch der neue zehn Kilometer lange Unterwasser-Tunnel eine Touristenattraktion. Er verbindet die Hauptstadt Torshavn mit der Insel Eysturoy, wodurch sich die Fahrtzeit von Runavik nach Strendur von 64 auf 16 Minuten verkürzt. Das Besondere an dem Tunnel: Hier befindet sich der einzige Kreisverkehr unter dem Meer.

 

Der offizielle Teil der jährlichen Veranstaltung fand im Hauptgebäude von Bakkafrost in Glyvrar statt.

Der für diesen Tag umgebaute Teil der Produktionshalle war bis auf den letzten Platz gefüllt. Die Präsentationen wurden live übertragen und können auf der Homepage jederzeit erneut angeschaut werden. Die gesamte Führungsmannschaft wurde vorgestellt und betont, dass jeder selbstverständlich für Fragen und Anregungen zur Verfügung steht. Am Ende der Präsentationen gab es die Möglichkeit Fragen zu stellen, natürlich war auch eine Frage von uns dabei.

Alle folgenden Maßnahmen und Pläne von Bakkafrost sind intern in 5 Themenschwerpunkte unterteilt:

 

Den CMD Bericht habe ich ebenso in verschiede Themen unterteilt und die für mich wichtigsten Aspekte priorisiert.

 

Themengebiete

Aufzucht & Verarbeitung

Bakkafrost lässt die jungen Lachse länger in einer Frischwasserumgebung als z. B. die Mitbewerber aus Norwegen. Bis zu 16 Monate bleiben die Lachse in einer kontrollierten Umgebung innerhalb der Aufzuchtanlagen, erst dann werden sie in die Meeresanlagen überführt. Der Vorteil ist ein höheres Gewicht (bis zu 500 g), dies reduziert auch die biologischen Risiken im Meer und somit die Sterblichkeitsrate. Die „Mortality Rate“ sank in den letzten Jahren von 6,5% (2017) auf 2,6 % in 2020, während das durchschnittliche Gewicht von 200 Gramm auf nun 300 Gramm stieg. Ziel ist es, ein Überführungsgewicht von 500 Gramm (bereits 2022-2023) zu erreichen. Zusätzlich sind Erweiterungskapazitäten auf den Färöer-Inseln und Schottland geplant. Bis 2026 soll die Anzahl der Smolts (Junglachs) von rund 15 Mio. auf 23 Mio. Stück in Färöer steigen. In Schottland werden kleinere Aufzuchtstationen durch größere Anlagen ersetzt. Die Kapazität soll bis zum Jahr 2026 von jetzt 6 Mio. Smolts mit einem Gewicht von 80 g auf 18 Mio. mit einem Gewicht von 500 g steigen. Erreichen möchte man dies u.a. durch die Umstellung längerer Frischwasserhaltung, Reduzierung der Sterblichkeitsrate. Auch die sogenannte Feed Conversion Rate (FCR) ist in Schottland noch nicht optimal. Verbraucht man in Faröer rund 1,08 Kg Futter für ein Kilogramm Lachsfleisch (FCR 1,08) sind es in Schottland noch 1,18 Kilogramm. Bakkafrost avisiert die FCR auf unter 1,05 in Färöer und unter 1,10 in Schottland zu bringen.

 

Die Verarbeitung der eingetroffenen Lachse aus der späteren Seezucht bis zum fertigen Transport an den Verbraucher dauert keine 20 Minuten. Die Kapazitäten pro Tag liegen in Glyvrar (Färöer) aktuell bei 375 Tonnen ausgenommenen Lachs und in Vagur (Färöer) bei 110 Tonnen. In den beiden Standorten in Schottland kommen 103 Tonnen in Marybank und ebenso 103 Tonnen in Cairndow hinzu. Während auf den Färöer-Inseln die Automatisierung sehr effizient und weit fortgeschritten ist, hinkt Schottland noch hinterher. Dies soll in den nächsten Jahren durch Investitionen deutlich verbessert und auf den Standard des Mutterkonzernes angehoben werden. Flexibilität bei der Produktion ist sehr wichtig, wie man während der Pandemie gesehen hat. Rund 60 % der Lachse werden normalerweise in eigens hergestellten Transportboxen zu den Kunden transportiert. 40 % werden für Endkunden bzw. Großabnehmer produziert. Dieses Verhältnis schwankte während der Pandemie stark und Bakkafrost musste sich schnell und flexibel auf die neuen Gegebenheiten einstellen.

 

Dieser Ausbau der Kapazitäten und die Verbesserungen der Automatisierung bedeutet Investitionen in der Zukunft. In den letzten 8 Jahren wurden 4,1 Mrd. DKK bereits mit Erfolg investiert. Zwischen 2022 und 2026 sollen rund 6,2 Mrd. DKK investiert werden. Das benötigte Kapital wird aus bestehenden Mitteln, neuen Fremdkapitalfinanzierungen und dem Cashflow kommen. Ich sprach mit einigen Vertretern von nordischen Banken persönlich: Klare Aussage war, dass es überhaupt kein Problem sei, die benötigten Mittel zu günstigen Konditionen zu Verfügung zu stellen. Der erhöhte Teil an Fremdfinanzierung werde die Dividendenstrategie nicht verändern.

Fischmehl & Futter

„Mens sana in corpore sano“ ist nicht nur ein Sprichwort für einen gesunden Geist in einem gesunden Körper, ich meine es ist auch eine Einstellung dazu, wie man sich ernährt. Denn um die Körperfunktion zu gewährleisten und zu erhalten, bedarf es mehr, als einfach irgendwelche Nahrung seinem Körper zuzuführen. Ausgewogen und der Situation des Bedarfs angepasst. Lachs liefert mit Vitamin D oder Omega 3 bzw. Omega 6 wertvolle Nährstoffe, welche einen wichtigen Bestandteil einer gesunden Grundversorgung darstellen. Beide Substanzen sind i Lachs reichlich vorhanden und bei den Fischen von Bakkafrost sogar noch etwas mehr als bei den norwegischen Verwandten.

Was der Fisch zu sich nimmt, ist ausschlaggebend für seine Qualität und letztendlich für die Gesundheit der Verzehrer. Die Fischmehl-, Öl- und Futterproduktion findet bei Havsbrun (gehört zur Bakkafrost Gruppe) statt. Das Futter hat einen großen Kostenanteil an der Zucht, denn Futter wird den Fischen 24 Stunden an 7 Tagen der Woche zur Verfügung gestellt. In Schottland wurde bis zur Übernahme durch Bakkafrost das Futter teils teuer zugekauft. Dieser Prozess wurde bereits geändert. Auch hier sollen die Kapazitäten für Fischmehl bzw. Futter erheblich erhöht werden, um das 15fache habe ich teils aus Gesprächen vernommen.

Die Kapazitäten in Havsbrun sind auf rund 18.000 Tonnen pro Monat ausgelegt. Für die aktuelle Lage reichen diese aus, aber der Fünfjahresplan sieht eine Erweiterung der Aufzucht und Produktion vor. Von rund 15. Mio. auf 23 Mio. Jungfischen, mit Gewichten von jetzt 300 auf 500 Gramm. Mehr und größere Junglachse wachsen zu noch größeren Lachsen heran, hier wird also deutlich mehr Futter benötigt. Die Futtermittelproduktion (Feed Line 1 & 2) schafft aktuell 150.000 Tonnen pro Jahr. Mit der Erweiterung um Feed Line 3 und Feed Line 4 mit einer Kapazität von jeweils 125.000 Tonnen kommt Bakkafrost auf 400.000 Tonnen Futtermittel pro Jahr.

 

Nachdem das Rohmaterial, hautsächlich Blue Whiting aber auch Hering und Makrele, per Schiff angeliefert wurde, durchläuft es verschiede Prozesse bis zum fertigen Erzeugnis. Die Endprodukte sind Fischmehl und Öl sowie Fischfutter für die eigene Lachsproduktion.

 

Selbstverständlich werden keine chemischen Zusätze wie Ethoxyquin hinzugeführt. Ethoxyquin ist ein Futtermittelzusatzstoff, der häufig Fischmehl beigemischt wird bzw. wurde, da er durch seine
antioxidative Eigenschaften die Fette vor dem Ranzingwerden schützen und dem Abbau von Vitaminen vorbeugen soll. Bakkafrost weist ausdrücklich in seinem ESG-Report auf Seite 4, 41 und 58 darauf hin, dass dieser chemische Zusatz nicht verwendet wird.

Übrigens habe ich das Fischfutter probiert, es schmeckt wie Popcorn mit Fischgeschmack.

 

Das Fischmehl wird nach der Produktion in Bergstollen auf dem Gelände von Havsbrun gelagert. Hier herrschte ein gleichbleibendes trockenes Klima, so garantiert man eine konstante Qualität des Vorproduktes.

Die Stollen sind einige 100 Meter tief im Berg mit noch Raum für weitere Lagererweiterungen. Hygiene wird in allen Bereichen sehr ernst genommen. Wir mussten immer Schutzkleidung und auch Überzieher für die Schuhe tragen.

 

ESG & Biogasanlage

Das Thema Nachhaltigkeit wird bei Bakkafrost großgeschrieben, dies ist nicht nur ein Lippenbekenntnis, sondern wird auch gelebt. Ich habe lange mit Tordis Poulsen (Group Director) gesprochen. Man ist sich seiner Verantwortung als größtes Unternehmen auf den Färöer-Inseln bewusst, nicht nur für seine Mitarbeiter, sondern auch für die vielen kleinen Gemeinden auf den Inseln. So habe ich bei meinen Streifzügen über die Insel einige Jugendliche mit Bakka-Shirts und Sportbekleidung mit Bakka-Logo gesehen. Auch hatte ich die Gelegenheit genutzt, an meinem freien Tag in der Stadt Restaurants zu besuchen und in einem Supermarkt zu gehen, die Bakkafrost Produkte anbieten. Klar habe ich auch dort gefragt, wie zufrieden sie sind. Tradition und die Unterstützung lokaler Unternehmen wird hier auf den Inseln gelebt.

Die Reduzierung von CO2 und die Gewinnung von alternativen Energiequellen ist bereits auf der Agenda. Bis 2030 möchte man den CO2-Fußabdruck um 50 % senken. Wie schafft der Konzern das? Solaranlagen auf den Aufzuchtanlagen sind bereits vorhanden und werden ausgebaut. Die entstandene Energie der Maschinen in der Fertigungshalle wärmt den Bürokomplex. Bei der Futtermittelherstellung wird freigesetzte Wärme verwendet, um die Gebäude zu heizen und die Biogasanlage liefert rund 2 % des Stromverbrauchs der gesamten Insel, dies sind ca. 11.000 Tonnen CO2 Einsparung pro Jahr.

 

Zusätzlich ist man gerüstet, die Biogasanlage zu erweitern, dazu hat man bereits das Nachbarsgrundstück erworben (leere Fläche hinten dem Schornstein).

 

Auch der Frachtverkehr wird unter die Lupe genommen: 20 Prozent der Scope 3 Emission ist darauf zurückzuführen, es macht damit den größten Teil aus. Diesen Wert möchte man ebenso reduzieren, die Maßnahmen hierfür sind die Verringerung der Eiszufuhr in den Transportboxen für ganze Lachse. Dies erreicht man durch eigens hergestellte Behälter, die länger kalt bleiben.

Die Auslieferung ganzer Lachse ist auch ein Thema. Denn wenn diese auf eigenem Boden weiterverarbeitet würden, blieben Fischreste übrig, die wiederum für die Biogasanlage genutzt werden könnten. Auch ein eigenes Frachtflugzeug gehört zu den Überlegungen, womit Unabhängigkeit von Logistikanbietern erreicht werden soll. Dies hätte auch den Vorteil, die Lieferketten besser kontrollieren zu können und die Lieferzeit zu verkürzen.

Schon jetzt gilt: Der Lachs selber ist unten den tierischen Proteinlieferanten der ökologischste Vertreter mit dem niedrigsten CO2-Fußabdruck per Kilogramm.

 

Auch unten den Gesichtspunkten Landnutzung, Futterverwendung oder Wasserverbrauch bietet der Lachs einige Vorteile gegenüber anderen Lieferanten tierischer Proteine.

 

So werden beim Lachs rund 68 % des Gesamt-Tieres zum Verzehr verwendet, beim Huhn sind es ca. 46 %, Schwein 52 % und bei Lammfleisch 38 %. Laut Prognosen verschiedener Fischfanginstitute muss sich die Aufzucht in Aquakulturen verdoppeln, um den globalen Bedarf im Jahr 2050 decken zu können.

Nachhaltigkeit wird in der Zukunft noch viel wichtiger und Bakkafrost ist auf einem sehr guten Weg, die selbstgesteckten Ziele erreichen zu können. Unten den 100 größten nordischen Unternehmen liegt Bakkafrost im oberen Bereich mit einem Rating von A-.

 

Schottland

In 2020 hat Bakkafrost 100 Prozent eines schottischen Lachsproduzenten (The Scottish Salmon Company) erworben. Bakkafrost war sich bewusst, dass die Investitionstätigkeiten von The Scottish Salmon in der Vergangenheit extrem vernachlässigt wurden. Dieser Umstand war mitunter dadurch zu erkennen, dass die Abhängigkeit von Drittanbietern sowohl bei Fischen als auch Futtermitteln hoch war. Auch die Größe der Smolts und der späteren Lachse war unterdurchschnittlich im Vergleich zu Bakkafrost und dem nordischen Standard. Über dem Branchendurchschnitt lag außerdem die Sterblichkeitsrate, welche einen Schlüsselfaktor darstellt, da die Fische dem Risiko im offenen Meer länger ausgesetzt waren. Diese Faktoren und die daraus resultierenden Chancen hatte Bakkafrost erkannt und entschloss sich zur Übernahme der Schotten. Während der letzten Monate wurde zwar schon einiges erreicht, aber mitunter wegen der Corona-Pandemie zeigte sich das Tempo langsamer als erwartet. Wie möchte man die schottische Organisation auf das hohe Level der Färöer-Inseln anheben? Ich hatte ein sehr gutes Gespräch mit Dave Cockerill, er ist als Veterinär und leitender biologischer Direktor für die Gesundheit der Fische verantwortlich.

Das Problem der schottischen Produktion ist in verschiedenen Faktoren zu ergründen. Erstens an dem Gewicht der Junglachse (Smolts), das bei nur rund 80 g (Färöer 300 g) lag. Zweitens wirkte sich der kürzere Verbleib der Fischer in Frischwasser aus – in Schottland nur 12 Monate, dagegen in Färöer 15-18 Monate. Durch die nun kürzere Zeit im Meerwasser (ca. 12 Monate) wurde das Risiko bereits um 45 % reduziert. Das Ziel ist es, die Überlebensrate von aktuell 92 % auf über 94 % anzuheben. Auch in Schottland sollen die Lachse in Zukunft bis zu einem Gewicht von 5-6 Kg in den Meeresanlagen verbleiben. Aktuell liegt das durchschnittliche Gewicht auf den Färöer-Inseln bei 4,5 Kg, in Schottland bei unter 3 Kg. Erreichen möchte man dies u.a. durch eine verbesserte Automatisierung der Futtermittelgabe in den Anlagen, höherwertiges Futter und dem oben beschriebenen Frischwasserzyklus.

Das Futter kommt natürlich aus der eigenen Produktion. Die verbesserte Futtermittelquote (Feed Conversion Ratio) wirkt sich direkt auf die Kosten aus und verbessert die Effizient. Färöer operiert mit einer Quote von unter 1,08, Schottland hingegen noch über 1,18.

 

Ziel ist es, in Färöer die FCR unter 1,05 und in Schottland kurzfristig unter 1,10 zu bekommen. Fischfutter ist, auch wenn es im Konzern hergestellt wird, ein großer Kostenfaktor und gleichzeitig ein Erfolgsfaktor für die spätere Qualität der Lachse.

Ein kleiner Fortschritt konnte bereits letzte Woche verbucht werden: Das neue Schiff für die ökologische Reinigung zur Beseitigung von Schädlingen wurde in Glyvrar willkommen geheißen. Die M/S Bakkanes, so der Name des Schiffes, ist das Schwesterschiff der M/S Martin, das bereits von Bakkafrost eingesetzt wird. Ausgestatten mit ebenso der neusten Technik, um die Schädlingsbekämpfung (Seeläuse) zu gewährleisten, ist es für Schottland bestimmt. Die Reinigung ist schnell, effektiv und ohne chemische Zusätze, sodass der Lachs nach dem Verfahren zu rund 95 Prozent von Seeläusen befreit ist.

 

Kommen wir zurück zu weiteren finanziellen Schlüsselfaktoren: Das operative EBIT pro Kilo liegt auf Färöer über 15 NOK pro Kilo. In Schottland zuletzt bei minus 0,2 NOK pro Kilo. Auch die realisierten Preise für größere Fische sind extrem unterschiedlich. 62 NOK auf Färöer und nur 54 NOK in Schottland (umgerechnet). Die Gesamtkosten nach der Aufzucht aber dafür über 60 NOK (Schottland) und nur rund 40 NOK bei der Mutter Bakkafrost. Schließt man also die Schere aller begonnenen Maßnahmen, dann sollte sich die Marge in Schottland in Zukunft deutlich erhöhen lassen. Die erforderlichen Mittel für diesen radikalen Umbau sind in der Fünfjahresplanung enthalten, so sollen 2022 bis 2026 6,2 Mrd. DKK im Gesamtkonzern investiert werden.

 

Das Sorgenkind Schottland soll sich also langsam zu einer ertragsbringenden Tochter mausern. Dies benötigt aber Zeit und ist sicherlich nicht in Quartalen abgeschlossen, eher in Jahren. Erste richtungsweisende Resultate auf diesem Weg sollten aber in den nächsten Quartalen schon zu sehen sein.

USA - North Landing

Für die operativen Einheiten in den USA (North Landing) war der Sohn von CEO Regin Jacobsen vor Ort. Leider war die USA kein Hauptthema der Präsentationen und ich hatte nur am Rande die Chance mich kurz mit ihm zu unterhalten. Ich war begeistert, dass ein junger Mann mit Mitte 20 ein so umfassendes Fachwissen und Engagement für den Konzern mitbringt.
Die VAP-Anlage (Value Added Products) nördlich von New York wurde 2020 fast verdoppelt. VAP sind z. B. haut- und knochenlose Portionen vom Lachsfilet, die man in Deutschland u.a. bei Lidl findet. In den USA dreht sich alles nur um den Preis der Ware, Qualität, Herkunft und noch wichtiger die Nachhaltigkeitsgedanken spielen eine noch untergeordnete Rolle.

 

Die Qualitätsstandards der Länder sind sehr unterschiedlich und eher weniger ausschlaggebend in den USA. Man sieht aber sehr gute Chancen, um Premiumprodukte in der Zukunft durch kürzere Lieferzeiten (eigenes Frachtflugzeug) und die neue Markenstrategie besser positionieren zu können. Dem Preisniveau in den USA möchte man sich aber nicht anpassen, sondern dort eher durch die o.g. Faktoren glänzen. Mit großen Supermarktketten und auch Restaurants ist man im Gespräch. USA ist ein großer Markt für gesunde Nahrungsmittel und wird sicherlich noch bedeutender in der Zukunft, aber noch würde ich mir hier nicht viel versprechen.

Das originäre Geschäft von North Landing läuft unterdessen ganz normal weiter. North Landing war einer der ersten Importeure von Lachs aus den Färöer-Inseln und war bereits zehn Jahre Kunde von Bakkafrost, bevor es zur Übernahme kam. Aktuell wird die Ostküste bedient, dies könnte sich aber mit einem eigenen Frachtflugzeug schnell ändern. Die USA lockert die Einreisbestimmungen für Touristen und Geschäftsreisende u.a. aus Europa ab November. Evtl. könnte dann auch mal ein gesamtes Team den nötigen Schub geben. Wichtiger wird aber das Thema Schottland sein, denn hier ist aktuell das größte Potenzial, um Synergien zu heben und die Chancen/Nutzen-Quote zu erhöhen.

ONE Team & Markenstrategie

Ein Aspekt, um diese Synergien auch ausspielen zu können, ist die ONE Team Strategie sowie der neue Markenauftritt des Gesamtkonzerns.

 

Denn nur wenn alle Zahnräder ineinandergreifen und jeder Mitarbeiter dieselben Ziele verfolgt, kann der Konzern auch seine ambitionierten Vorhaben erreichen. Regin hat das sehr deutlich gemacht und für ihn ist „Excecution“ das Schlagwort für die nächsten Quartale/Jahre. „Wir wollen und müssen liefern“, sagte er auf der Veranstaltung und so wie ich ihn kennengelernt habe, wird er dies auch striegelnd verfolgen. Das fängt bei der effizienten und ökologischen Nutzung von Gebäuden und Equipment an und verläuft weiter bei der Produktion, der Vereinheitlichung von Verkaufsprozessen, des Markenauftritts bis hin zu Wissenstransfer in den jeweiligen Einheiten und Ländern. Regin ist der Kapitän auf dem Lachsboot und jedes Mitglied seiner Besatzung muss seine Aufgabe genau kennen, vor allem wenn die See stürmisch ist und es auf jeden Handgriff ankommt.

Die neue Markenstrategie stellt Poul Jacobsen (Head of Marketing) gemeinsam mit seiner Kollegin aus Schottland vor. Mit Poul hatte ich auch persönlich das Vergnügen und konnte lange mit ihm unterhalten.

Die Strategie ist klar und nachvollziehbar, denn man macht aus zwei unterschiedlichen Einheiten einen gemeinsamen Auftritt nach außen, verliert aber nicht die einzelnen Besonderheiten der jeweiligen Zielgruppen aus den Augen.

 

Zweck ist es, die Marke Bakkafrost noch direkter an den Endkonsumenten heranzutragen, ohne die Großabnehmer mit deren eigenen Marken zu vernachlässigen. Indem Bakkafrost die Segments B2C und B2B neu ordnet und kleine Qualitätsunterschiede innerhalb der Produktgruppen unterschieden werden, wird dieses Vorhaben erreicht.

 

18 Islands und Native Hebridian werden die absoluten Premiumprodukte, während Heimland und zum Teil Lochlander die mittlere Preisklasse für den Endkunden verkörpern. Bakka Salmon und Scottish Salmon Company stellen die B2B Produkte und im Niedrigpreissegment wird Pure Ocean Salmon ansässig sein. So hofft man den Spagat zwischen der direkten Kundenansprache und den Eigenmarken der Großkunden zu schaffen.

 

Darüber hinaus soll es auch ganz neue Produktvarianten wie den Salmon Burger, Lachssalat oder Sous Vide Gerichte geben. Auf der Veranstaltung konnten die unterschiedlichen Varianten probiert werden. Mein persönliches Fazit: Die 18 Island Selection ist gleichzusetzten mit Sashimi meines Lieblingsjapaners.

Fazit

Bakkafrost mit Regin Jacobsen als CEO an der Spitze des Konzernes überlässt nichts dem Zufall. Seit er Anfang der neunziger Jahre bei Bakkafrost, bzw. der rechtlichen Vorgängergesellschaft anfing, hat er das Unternehmen von einem kleinen Fischbetrieb zu einem globalen Lachsproduzenten weiterentwickelt. Die Prozesse auf den Färöer-Inseln sind durchweg klar strukturiert. Darüber hinaus ist auch soziale Engagement außerhalb des Firmengeländes auf der Insel zu spüren. Schottland, das Sorgenkind, erhält nun eine einheitliche Strategie, die es dem Niveau des Mutterkonzerns nahebringen soll. Der Fünfjahresplan ist von der Futtermittelherstellung, der Aufzucht, der Produktion über den Vertrieb mit neuen Produkten bis hin zur Verwendung von Fischresten für die Biogasanlage auf Wachstum getrimmt. Die Finanzierungen sollten durch Banken und aus dem vorhandenen Cashflow zu stemmen sein.

Einen kleinen Haken hat die Story jedoch: Die Investitionskosten werden steigen, der Cashflow wird geringer und die Margen, vor allem aus Schottland, werden erst allmählich Früchte tragen. Bakkafrost ist kein Investment für Kurzstreckenläufer, sondern eine Investition in die Zukunft für eine nachhaltige Gewinnung von ökologischen Nahrungsmitteln mit Fokus auf einer gesunden und proteinhaltigen Ernährung.

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