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Obwohl sich sowohl die Kredit- als auch die Aktienmärkte seit Ende März erholt haben, zeigen die realwirtschaftlichen Fakten das genaue Gegenteil an. Eine Hiobsbotschaft jagt die Nächste. Die Rating-Agenturen stufen ein Unternehmen nach dem anderen herab und in den kommenden Monaten werden noch viele Unternehmen die Tore für immer schließen.

Im Mai sahen wird die höchsten Kredit-Ausfälle seit 2009. Die amerikanischen Kreditagenturen stuften das Rating von zahlreichen Unternehmen - wenig verwunderlich - erheblich herunter. Die Realität in der Wirtschaft und die Bewegung der Aktienmärkte laufen diametral auseinander.

Selten war die Diskrepanz zwischen beiden so hoch wie heute.  

Die Aktienkurse stehen in keinem sinnvollen Verhältnis zur realen Situation der jeweiligen Unternehmen. Natürlich schaut die Börse schon immer voraus und versucht künftige Entwicklungen vorweg zu nehmen. Doch auch diese Krücke hilft nicht bei der Erklärung der aktuellen Aktienkurse.

So wird beispielsweise die Web-Konferenz-Firma Zoom aktuell mit 50 Milliarden US$ bewertet. Das Unternehmen hat zuletzt einen Nettogewinn von 22 Millionen USD ausgewiesen. Das entspricht einem KGV von 2272. Selbst bei einem sportlichen Blick in die Zukunft wird für das Unternehmen ein möglicher Nettogewinn von 933 Millionen US$ erwartet, was einem KGV von 53 entspricht…wohlgemerkt für das Jahr 2024!!! Wir reden über eine Firma, deren Produkt jederzeit von einem Mitbewerber besser angeboten werden kann und das in massiven Verruf aufgrund seiner schwachen Sicherheitsarchitektur geraten ist.

Dieses Beispiel sei exemplarisch benannt um zu zeigen, dass wir wieder sehr nahe an den Verhältnissen des Jahres 2000 stehen, wo unternehmerische Überlegungen und Bewertungen keine Rolle spielten. Wie immer in solchen Phasen wird das stets gleiche Argument bemüht „Diesmal ist alles anders“. Mal muss dafür der Technologiesprung „Internet“ herhalten, mal die „unbezwingbaren Notenbanken“. Die Börsengeschichte lehrt den am Ende doch auch immer gleichen Ausgang, mit der für Viele entsetzlichen Erkenntnis, dass im Laufe der Zeit alles auf seinen inneren Wert zurückkommt.

Auch während vergangener Krisen wie 2008 gab es Maßnahmen der Notenbanken und Konjunkturhilfen der Regierungen, längst aber nicht so massive Eingriffe in die Finanzmärkte wie heute. Wir erleben eine nie dagewesene Verzerrung zwischen realwirtschaftlicher Entwicklung (und den dazugehörigen Unternehmensgewinnen) mit Massenarbeitslosigkeit (USA) , Pleitewellen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen sowie Massenprotesten einerseits und kafkaesk verzerrten Unternehmensbewertungen (Aktienkursen) andererseits.

Die Börse scheint derzeit erneut ein in sich abgeschlossenes Casino, das sich weitgehend von den Geschehnissen außerhalb losgelöst hat. Die Spieler zocken euphorisch mit dem ihnen so wohlgesonnenen Croupier „Notenbank“ um immer höhere Einsätze - und die kurzfristigen Gewinne scheinen ihnen Recht zu geben.

Tatsächlich verspotten sie derzeit zu Recht jene, die - wie wir - nicht am Casino teilnehmen und somit um die vermeintlich sicheren Gewinne kommen. Was soll schon schiefgehen? Doch wir haben immer wieder beobachtet, wie trügerisch dieses blinde Vertrauen auf den magischen Croupier ist, der immer dann, wenn die Einsätze auf dem Tisch am höchsten sind, die Null erscheinen lässt.

So war es im Herbst 2008, als es zunächst hieß „die Notenbanken werden niemals eine große Bank Pleite gehen lassen, absolut unmöglich, kein Risiko!“, bevor über das Wochenende Lehman die Pforten schloss. So war es im März 2020, als die Notenbanken plötzlich die schützende Hand von den Märkten zogen und es steil nach unten ging, obwohl doch noch immer die Argumente um „Ach das viele Geld…die Notenbanken lassen die Märkte niemals einbrechen…“ galten.

Aber diesmal ist sicher alles anders…die Aktien werden wegen den Notenbanken immer weiter steigen, oder?

Ich muss ganz klar eingestehen, dass diese Aufwärtsbewegung deutlich stärker ausfällt, als ich das erwartet habe - da hilft es auch nicht, dass es den meisten großen Vermögensverwaltern rund um den Globus nicht anders geht, die gleichsam verwundert sind über die völlige Entkopplung von Märkten und Realwirtschaft.

Ich kann Geschäftsmodelle analysieren, politische und gesellschaftliche Zusammenhänge aufschlüsseln und die realwirtschaftliche Konsequenzen prognostizieren. Daraus kann ich Unternehmenserfolge und Gewinne ableiten und darin kann ich investieren. Was ich nicht kann und nicht will, ist Glücksspiel in einem abgekoppelten Casino. Das können andere weit besser, hierfür bin ich denkbar ungeeignet, da es eine hohe Risikobereitschaft erfordert, die ich – zumal mit mir anvertrauten Geldern – nicht bereit bin, einzugehen.

Am Glücksspiel teilzunehmen, Gewinn einzustreichen und Verluste zu akzeptieren, ist legitim und dafür gibt es viele Spezialisten. Mein Weg ist es nicht. Die Börsengeschichte zeigt, dass auf lange Sicht die rationale Vorgehensweise das Glücksspiel um Längen schlägt. Es gilt aber zu akzeptieren, dass der Roulett-Spieler kurzfristig beachtliche und für den Investor frustrierende Gewinne einfahren kann. Die kurzfristigen Gewinne der Spieler einzustreichen und zugleich die Sicherheit des rationalen Investments zu haben ist der ewige und doch unerfüllbare Wunsch aller Anleger.

Entsprechend müssen Sie und ich derzeit an so manchem Tag frustrierende Bewegungen verdauen, aber es hilft immer wieder das Bild vom Marathonläufer, der nach einigen Kilometern an erschöpften Sprintern vorbeiläuft. Die meisten erfolgreichen Menschen sind eben nicht Lotto- oder Casinomillionär, sondern rationale Unternehmer, die ihre Geschäfte auf soliden Zusammenhängen und Fakten aufbauen. Sie schlafen in der Regel auch ruhiger.

Unser Vergleichsindex, der MSCI World Value, stieg entsprechend im Berichtszeitraum von 100,99 um 9,01 % auf 110,09 - der Dirk Müller Premium Aktien Fond verlor 4,85 % auf 96,52. Wir waren weiterhin abgesichert und unsere Qualitätsaktien waren weit weniger gefragt als jene Unternehmen mit den größten Problemen.

Denn hier waren Luftfahrtgesellschaften, Kreuzfahrtunternehmen und Banken auf der Gewinnerseite, die wir allesamt - und aus gutem Grund - nicht im Depot haben.

Die Industrieproduktion (exemplarisch für Deutschland) brach im April im Jahresvergleich über 25 % ein. Der Auftragseingang konnte auch dies mit einem Minus von über 36 % noch unterbieten. 

Auftragseingang der langlebigen Güter in den USA im April: minus 17,7 %, realer privater Konsum: minus 13,2 %. Der einzige vermeintliche Lichtblick waren die jüngst veröffentlichten Arbeitsmarktdaten. Die Überraschung über diese Zahlen war (auch abgesehen vom Rechenfehler des U.S. Bureau of Labor Statistics) extrem groß, denn es wurden angeblich neue Stellen im Mai geschaffen, statt des erwarteten massiven Stellenabbaus.

Dieses „Wunder von Washington“ gilt es mit der Hintergrundinformation zu erläutern, dass Arbeitsmarktdaten in den USA nicht durch offizielle Meldungen erhoben werden, sondern durch Telefonumfragen, Schätzungen und mathematische Hochrechnungen, deren Details in den vergangenen Jahren für zahlreiche unterhaltsame Momente gesorgt haben. Die meisten Finanzexperten sind sich einig, dass die so erhobenen Daten mit der Realität oft wenig zu tun haben.

Exemplarisch sei hier ein Beispiel aus den Telefonumfragen genannt, wie ich sie in meinem Buch „Crashkurs“ beschrieben hatte. Der zufällig ermittelte Telefonabnehmer wird gefragt „Sind Sie arbeitslos?“ Wenn er mit „Ja“ antwortet hat das noch nichts zu bedeuten, denn die nächste Frage lautet. „Bemühen Sie sich derzeit um einen Job?“ Wenn er nun antwortet „Nein, da alle Firmen geschlossen haben, brauche ich mich auch nirgends zu bewerben“, zählt er zur Gruppe der „Resignierten“, die aufgegeben haben - und somit nicht mehr in der Statistik der Arbeitslosen erfasst werden. Solche Bonmots der US-Arbeitsmarktdaten ließen sich beliebig fortsetzen, sie zeigen aber auch hier wieder, wie schwer es derzeit ist, Dichtung von Wahrheit zu trennen.

Vom 2.-4. Juni 2020 veranstaltete unser US Broker Jefferies seine jährliche Global Health Care Conference. Dieses Jahr fand die Veranstaltung jedoch nicht in New York, wie noch Anfang des Jahres geplant, sondern virtuell mit Online-Präsentationen und im Rahmen von interessanten Telefonaten mit den jeweiligen CEOs/CFOs oder den Investor Relations Verantwortlichen statt. Wir haben die Gelegenheit wahrgenommen, um mit dem Top Management von Straumann, ICON plc und Novo Nordisk zu sprechen – unsere Erkenntnisse aus diesen Gesprächen lesen Sie hier!

Weitere Kurzberichte von Gesellschaften aus unserem Portfolio finden Sie im Fonds-Forum.

Wir wünschen Ihnen weiterhin eine gute Zeit während der aktuellen Krise, die uns in der Realwirtschaft sicher und an der Börse höchstwahrscheinlich noch über viele Monate erhalten bleiben wird.

Herzliche Grüße

Ihr

Dirk Müller & Fonds Team

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