Monatsbericht für Anleger – April 2026
Liebe Leserinnen und Leser,
der April war durch eine ausgeprägte Marktbewegung gekennzeichnet. Auf den signifikanten Abverkauf im März folgte eine kräftige technische Gegenreaktion, die sich in einer dynamischen Erholungsbewegung an den US-Aktienmärkten fortsetzte.
Der S&P 500 verzeichnete im Monatsverlauf ein Plus von 10,4% und damit die stärkste Monatsperformance seit November 2020. Der Nasdaq legte um 15,6% zu und erreichte seine beste Monatsentwicklung seit April 2020, während der Dow Jones um 7,1% zulegte. Zum Monatsende überschritt der S&P 500 erstmals die Marke von 7.200 Punkten und markierte bei 7.209,01 ein neues Allzeithoch.
Parallel dazu erwies sich die Nachrichtenlage rund um den Iran-Konflikt als prägender Einflussfaktor für das Marktgeschehen. Die daraus resultierende Unsicherheit führte wiederholt zu erhöhten Volatilitätsphasen und signifikanten Preisbewegungen sowohl am Ölmarkt als auch an den globalen Aktienmärkten.
Ölpreis: Weiterhin auf Kriseniveau
Trotz des Waffenstillstands blieben die Ölpreise auf hohem Niveau – ein Zeichen dafür, dass die Märkte der Entspannung noch nicht vollständig trauen. Am 30. April erreichte Brent-Rohöl ein neues Kriegshoch von 126 Dollar pro Barrel, bevor der Preis wieder auf etwa 114 Dollar zurückfiel. Die Weltbank bezifferte den Ölpreisanstieg seit Jahresbeginn auf über 50% und bezeichnete die Blockade der Straße von Hormus als den größten Ölversorgungsschock in der Geschichte.
Goldman Sachs erhöhte seine Ölpreisprognose und erwartet nun, dass Brent im vierten Quartal durchschnittlich 90 Dollar pro Barrel kosten wird – zuvor waren es 80 Dollar gewesen. Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Golfexporte erst Ende Juni normalisieren und die Produktion nur langsam wieder hochfährt. Dies bedeutet weiterhin hohe Benzinpreise für die Verbraucher.
Private Credit unter Druck
Neben dem Iran-Krieg sorgte ein weiteres Thema für Nervosität: die wachsenden Probleme im Bereich Private Credit. Dieser auf 3 Billionen Dollar angewachsene Sektor geriet unter Druck, nachdem Pleiten wie First Brands und Tricolor fragwürdige Kreditvergabepraktiken offenlegten. Anleger versuchten massenhaft, ihr Geld abzuziehen. Blue Owls Aktien fielen um 40%, andere große Anbieter wie KKR, Apollo und Blackstone verloren 20% oder mehr. Das Szenario erinnert in vielen Elementen an die Entwicklung vor der Kreditkrise 2008. Bekanntlich wiederholt sich Geschichte nicht, aber sie ähnelt sich.
Inflation: Der Schock kam im März
Die Inflationszahlen für März, die Mitte April veröffentlicht wurden, zeigten die wirtschaftlichen Folgen des Krieges in aller Deutlichkeit. Die jährliche Inflationsrate sprang auf 3,3% – der höchste Wert seit Mai 2024 und ein deutlicher Anstieg von 2,4% im Februar. Auf Monatsbasis stiegen die Verbraucherpreise um 0,9% – der größte Anstieg seit Juni 2022.
Der Preisschub wurde fast ausschließlich von den Energiekosten getrieben. Die Benzinpreise stiegen im März rekordverdächtig und machten fast drei Viertel des gesamten monatlichen Preisanstiegs aus. Es gab schon größere Energiepreis-Schocks insgesamt, aber die haben sich über mehrere Monate verteilt. Dieser kam in einem einzigen Monat. Die gute Nachricht: Die Kerninflation, die Energie und Nahrungsmittel ausklammert, blieb mit 2,6% weitgehend stabil. Das deutet darauf hin, dass die Ölpreisschocks noch nicht vollständig auf andere Bereiche der Wirtschaft durchgeschlagen sind. Ökonomen warnen jedoch, dass dies drei bis sechs Monate dauern kann.
Verbrauchervertrauen am Tiefpunkt
Die steigenden Preise haben die Stimmung der amerikanischen Verbraucher auf ein historisches Tief gedrückt. Das Verbrauchervertrauen der University of Michigan fiel im April auf 47,6 Punkte – den niedrigsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1952. Nach der Waffenstillstands-ankündigung erholte sich der Index leicht auf 49,8 Punkte, blieb aber auf Rekordtiefstand.
Besonders alarmierend: Die Inflationserwartungen für das kommende Jahr sprangen auf 4,7 % – der größte Monatsanstieg seit April 2025. Der Conference Board Consumer Confidence Index zeigte ein etwas positiveres Bild und stieg leicht auf 92,8 Punkte. Die Verbrauchereinschätzung des Arbeitsmarktes verbesserte sich sogar leicht. Allerdings schränkten Verbraucher ihre geplanten Ausgaben für Dienstleistungen ein – von Restaurants bis hin zu Reisen.
Die Fed in der Zwickmühle
Die FED ließ die Zinsen unverändert, aber die Teilnehmer waren dabei so uneins wie selten. Fed-Chef Jerome Powell erklärte auf der Pressekonferenz, dass die Fed mit vier Angebotsschocks gleichzeitig konfrontiert sei: der Pandemie, der Ukraine-Invasion, den Zöllen und nun dem Iran-Krieg mit dem Ölpreisschock. Für Verbraucher bedeutet die Zinspause, dass Kreditkartenzinsen hoch bleiben und auch Hypothekenzinsen vorerst nicht sinken werden. Die Märkte preisen für 2026 keine weiteren Zinsänderungen mehr ein.
Big Tech liefert – mit Ausnahmen
Die Quartalszahlen der großen Technologieunternehmen am 29. April waren ein wichtiger Test für die Rally – und die meisten Unternehmen bestanden. Alphabet überraschte mit einem Umsatzplus von 22% auf 109,9 Milliarden Dollar. Besonders beeindruckend: Google Cloud wuchs um 63% auf 20 Milliarden Dollar, angetrieben von der KI‑Nachfrage. Der Auftragsbestand verdoppelte sich nahezu auf über 460 Milliarden Dollar. Die Alphabet-Aktie legte im April um 33% zu.
Microsoft übertraf die Erwartungen mit einem bereinigten Gewinn je Aktie von 4,27 Dollar – 21 Cent über den Schätzungen. Amazon überraschte ebenfalls mit einem Gewinn von 2,78 Dollar je Aktie gegenüber erwarteten 1,64 Dollar und einem Umsatz von 181,5 Milliarden Dollar. Meta hingegen enttäuschte trotz guter Zahlen. Der Nettogewinn stieg auf 26,8 Milliarden Dollar, doch die Ankündigung, dass die Investitionsausgaben auf bis zu 145 Milliarden Dollar steigen würden – von zuvor 115 bis 135 Milliarden Dollar – verunsicherte die Anleger. Die Meta-Aktie fiel um über 8,55%.
Goldman Sachs schätzt, dass KI-bezogene Investitionen etwa 40% des Gewinnwachstums im S&P 500 in diesem Jahr ausmachen werden. Die größten Cloud-Infrastrukturunternehmen planen, 2026 insgesamt 670 Milliarden Dollar zu investieren.
Ausblick: Was bedeutet das für Anleger?
Der April 2026 hat gezeigt, wie schnell sich die Stimmung an den Märkten drehen kann. Trotz der Rally liegt der S&P 500 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa 23 auf historisch hohem Niveau. Goldman Sachs sieht das Jahresendziel für den S&P 500 bei 7.600 Punkten – ein Plus von etwa 6% gegenüber Ende April. Gleichzeitig bleibt die Marktbreite – also wie viele Aktien an der Rally teilnehmen – auf einem der niedrigsten Stände seit der Dotcom-Ära.
Für Privatanleger gilt: Die Rally war beeindruckend, aber sie basiert auf der Hoffnung, dass sich der Iran-Konflikt auflöst und die Unternehmensgewinne weiter steigen. Sollte eine dieser Annahmen nicht eintreffen, könnte die Volatilität schnell zurückkehren.
Die fundamentalen Risiken bleiben bestehen: hohe Ölpreise, steigende Inflation, ein historisch schwaches Verbrauchervertrauen und eine gespaltene Fed. Die Märkte haben viel Optimismus eingepreist – nun müssen die kommenden Wochen zeigen, ob dieser gerechtfertigt ist.
Besonderheiten in unseren Fonds:
Im April hatten wir eine Absicherungsquote zwischen 40 % und 90 %. Insbesondere über die Wochenenden hatten wir diese regelmäßig auf bis zu 70 % erhöht, um möglichen unliebsamen Überraschungen – die merkwürdigerweise meist an Wochenenden geschehen, wenn die Börsen geschlossen haben und keine Reaktionen erlauben – vorzubeugen. Unsere EUR-USD Absicherung war im April konstant bei 100 %.
Bei den Aktien haben wir Netflix, Eli Lilly und ServiceNow neu in das Portfolio aufgenommen. Die Gewichtung im Portfolio der einzelnen Aktien wurde regelmäßig angepasst.
Marktentwicklung im April 2026
Der DM Premium Strategie Defensiv handelte per April 2026 bei 88,93 Euro, der offensive Fonds handelte per Ende April 2026 bei 138,87 Euro.
Der Dow Jones Industrial Average in Euro stieg zum Vergleich um 5,45 % in Euro, der MSCI World Value ebenso in Euro fiel um 5,26 %.
In diesem Sinne: Bleiben Sie investiert, bleiben Sie gelassen – und genießen Sie den Frühling.
Ihr Dirk Müller
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Hinweis: Alle Angaben beziehen sich auf den Zeitraum 1.–30. April 2026. Dieser Bericht dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
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