Der August 2025 entwickelte sich zu einem Monat der Paradoxe an den amerikanischen Aktienmärkten – während die wichtigsten Indizes neue Allzeithochs erreichten und der S&P 500 um 1,91 % (in USD) stieg, sendeten die Fundamentaldaten zunehmend gemischte bis alarmierende Signale aus. Mit fünf neuen Schlussrekorden beim S&P 500 ignorieren die Märkte bislang die sich abzeichnenden strukturellen Herausforderungen. Der ausgesprochen schwache Arbeitsmarktbericht vom 5. September mit nur 22.000 neuen Jobs ist hier sinnbildlich.
Marktperformance: Rekorde im Schatten der Unsicherheit
Die US-Aktienmärkte setzten ihre bemerkenswerte Rallye aus dem Juli nahtlos fort. Der S&P 500 kletterte auf 6.501,86 Punkte als neues Allzeithoch. Besonders beeindruckend war die Momentum-Entwicklung seit dem April-Tiefstand: Nach dem „Liberation Day“-Schock am 8. April, als der Index um 15,28 % gefallen war, erholte er sich um spektakuläre 29,65 % Die Marktkapitalisierung stieg um beeindruckende 12,554 Billionen Dollar.
Sektorweise zeigte sich allerdings ein wenig differenziertes Bild: Neun der elf Sektoren schlossen mit Gewinnen ab, angeführt von Rohstoffwerten mit +5,59 %. Versorgerwerte bildeten mit -2,03 % das Schlusslicht.
Die Marktbreite erwies sich als gesund: 337 Aktien stiegen, während 166 fielen – eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Juli (279 vs. 222).
Arbeitsmarkt: Der Elefant im Raum wird sichtbar
Die dramatischsten Entwicklungen des Augusts spielten sich am Arbeitsmarkt ab, auch wenn die vollständige Tragweite erst mit dem September-Bericht deutlich wurde. Die August-Zahlen offenbarten bereits alarmierende Trends: Mit nur 22.000 neuen Jobs fiel das Wachstum drastisch unter die erwarteten 75.000. Man kommt aber nicht umhin, immer wieder auf die traurige Qualität dieser Daten zu verweisen, die in schöner Regelmäßigkeit oft drastisch revidiert werden. Wie in vielen Bereichen verkommen auch die Wirtschaftsdaten zunehmend zum politischen Einflussmedium. Dass die auf irreführenden Zahlen getroffenen Entscheidungen dann zu wenig erfolgreichen Ergebnissen in Politik und Wirtschaft führen, ist die logische Konsequenz. Ein Phänomen, das wir früher hauptsächlich aus der Sowjetunion oder China kannten, das sich leider auch bei uns immer mehr ausbreitet.
So wurden auch die Vormonate wieder massiv „revidiert“:Juni wurde von ursprünglich +79.000 auf -13.000 Jobs nach unten korrigiert – der erste Nettoverlust seit Dezember 2020. Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,3%, den höchsten Stand seit September 2017 außerhalb der Pandemie.
Federal Reserve: Zwischen Inflation und Beschäftigung gefangen
Die dramatischen Arbeitsmarktdaten setzten die Federal Reserve unter enormen Druck und veränderten die geldpolitischen Erwartungen fundamental. 85 % der Marktteilnehmer rechnen inzwischen mit Zinssenkungen im September von 0,5 bis sogar 0,75 %, während Fed-Offizielle sich weiterhin zurückhaltend äußern. Die Spannung zwischen der FED und Trump, aber auch den Marktteilnehmern nimmt zu.
Handelspolitik: Neue Strukturen etablieren sich
Der August markierte einen Wendepunkt in der US-Handelspolitik mit der vollständigen Implementierung der im Juli vereinbarten US-EU-Handelsvereinbarung. Am 21. August wurden die detaillierten Bestimmungenveröffentlicht, die das 15 %-Zollsystem zementierten.
Die neuen Regelungen etablierten ein komplexes, aber vorhersagbares System: Die USA wenden entweder den MFN-Tarif oder 15 % an, je nachdem, was höher ist. Ausnahmen gelten für Flugzeuge, generische Pharmazeutika, bestimmte Chemikalien und nicht verfügbare natürliche Ressourcen.
Besonders bemerkenswert war die Automobilregelung: 15 % Zölle auf EU-Autostreten nur in Kraft, wenn die EU Gesetzgebung zur Tarifsenkung bei US-Industriegütern einleitet.
Parallel dazu erweiterte sich das globale Zollsystem: Am 7. August traten Zölle auf über 70 Länder in Kraft, was den durchschnittlichen US-Zollsatz auf 18,6 % anhob – den höchsten Stand seit den 1930er Jahren.
China erhielt eine weitere 90-tägige Verlängerung der reduzierten Zölle bis 10. November, während Indien mit zusätzlichen 25 % Strafzöllen für seine Russland-Handelsbeziehungen bestraft wurde.
Man darf jedoch feststellen, dass von der medialen Panik im April „Trump bringt die Weltwirtschaft zum Einsturz … Trump bringt die Börsen zum Einsturz … Trump ruiniert die USA … Trump zerstört den Dollar …“ bislang wenig übrig geblieben ist.
Unternehmensgewinne: Glanz und Schatten der Berichtssaison
Die Berichtssaison brachte gemischte, aber überwiegend positive Signale: S&P 500-Unternehmen meldeten Rekordgewinne mit +10,6 % gegen Vorjahr und Rekordumsätze mit +5,1 %. 80 % der Unternehmen übertrafen die (zuvor teils deutlich gesenkten) Gewinnerwartungen.
Technologie-Giganten dominierten erneut: Microsoft beeindruckte mit 39 % Wachstum im Cloud-Segment und sicherte sich einen Top-Pick-Status. Metaübertraf Werbeprognosen und verstärkte KI-Investitionen mit Multi-Millionen-Dollar-Paketen für Talente von Konkurrenten.
Amazon „enttäuschte“ hingegen mit „nur“ 17 % Cloud-Wachstum und Prognosen unter den Erwartungen, und auch Apple verlor trotz starker Ergebnisse nach den schwachen Arbeitsmarktdaten an Momentum.
Nvidia setzte seine historische Rallye fort und erreichte am 9. Juli erstmals eine Marktkapitalisierung von 4 Billionen Dollar. Am 3. Juli handelte die Aktie bei 160,98 Dollar – einem neuen Allzeithoch. Ende August erwartete das Unternehmen 45 Milliarden Dollar Umsatz für das kommende Quartal.
US-Dollar: Schwäche setzt sich fort
Der US-Dollar setzte seine 2025er-Talfahrt geordnet fort und verzeichnete weitere Verluste im August.
Seit Jahresanfang hatte der Dollar nun 9 % verloren, was absolut im Sinne von Trump und des exportierenden Teils der US-Wirtschaft ist.
Fazit: Rekorde auf schwankendem Fundament
Der August 2025 wird als Monat der schönen Oberfläche über bröckelnden Fundamenten in Erinnerung bleiben. Während die Märkte neue Rekorde feierten und Anleger in euphorischer Stimmung waren, sendeten Arbeitsmarkt, Geldpolitik und strukturelle Wirtschaftsdaten bereits deutliche Warnsignale.
Die zentrale Ironie des Monats lag darin, dass dieselben schwachen Arbeitsmarktdaten, die eigentlich Rezessionssorgen hätten auslösen sollen, von den Märkten als Katalysator für Fed-Zinssenkungen und damit weitere Liquiditätgefeiert wurden. Diese Perversion der normalen Marktlogik unterstrich die extreme Abhängigkeit der Märkte von geldpolitischer Lockerung.
Besonders bemerkenswert war die Rolle der Handelspolitik: Die Etablierung der neuen Zollstrukturen schuf zwar Planungssicherheit, aber auch strukturell höhere Kosten für Unternehmen und Verbraucher. Die Tatsache, dass Unternehmen Rekordumsätze meldeten, während sie gleichzeitig Zollkosten absorbierten und ankündigten, diese bald an Verbraucher weiterzugeben, deutet auf aufkommendenInflationsdruck hin.
Für Anleger bot der August sowohl Grund zur Euphorie als auch zur Vorsicht. Die starken Marktgewinne bestätigten die Macht der Liquidität, während die sich verschlechternden Fundamentaldaten Fragen über die Nachhaltigkeit dieser Rallye aufwarfen.
Der September wird zeigen, ob die Märkte ihre Rekord-Jagd fortsetzen können, wenn die Federal Reserve tatsächlich mit Zinssenkungen beginnt, oder ob die Realität der strukturellen Herausforderungen – schwächelnder Arbeitsmarkt, anhaltende Inflation und hohe Bewertungen – schließlich ihren Tribut fordern wird.
Ein Marktbeobachter fasste es treffend zusammen: „August war der Monat, in dem die Märkte bewiesen, dass sie schlechte Nachrichten in gute verwandeln können – aber die Frage bleibt, wie lange diese Alchemie funktioniert.“ Die Antwort auf diese Frage würde die kommenden Monate prägen und möglicherweise über das Schicksal der längsten Bullenmarkt-Phase der Geschichte entscheiden.
Besondere Entwicklungen Fonds
Im August sind wir ohne Absicherungsquote in den Monat gestartet. Nur über die Wochenenden hatten wir diese regelmäßig auf 70 % erhöht, um möglichen unliebsamen Überraschungen – die merkwürdigerweise meist an Wochenenden geschehen, wenn die Börsen geschlossen haben und keine Reaktionen erlauben – vorzubeugen. Unsere EUR-USD Absicherung war am 29.08.25 bei 100 %.
Auch bei den Aktien waren wir wieder aktiv und haben gleich fünf neue Unternehmen aufgenommen: Teleflex, Biogen, EPAM Systems, IDEX Corp. und Deer & Co..
Marktentwicklung im August 2025
Der S&P 500 ist im Berichtszeitraum (01.08. bis 31.08.25) um 0,52 % gefallen, der technologielastige Nasdaq 100 verbuchte ein Minus von 1,55 %, jeweils in Euro.
Der DM Premium Strategie Defensiv handelte per Ende August 2025 bei 89,86 Euro, der offensive Fonds handelte per Ende August 2025 bei 129 Euro.
Der Dow Jones Industrial Average in Euro stieg zum Vergleich um 0,74 % in Euro.
Mit den besten Wünschen für eine glückliche Zeit
Ihr
Dirk Müller & Fonds Team
Aus rechtlichen Gründen ist es nicht mehr gestattet, die Wertentwicklung unserer Fonds für einzelne Monate darzustellen.
Hinweis: Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar.
„Die Anlageberatung und Anlagevermittlung (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 und 4 WpIG) erbringen wir als vertraglich gebundener Vermittler gemäß § 3 Abs. 2 WpIG ausschließlich für Rechnung und unter der Haftung der NFS Netfonds Financial Service GmbH, Heidenkampsweg 73, 20097 Hamburg (NFS). Die NFS ist ein Wertpapierinstitut gem. § 2 Abs. 1 WpIG. Unsere Tätigkeit bei der Anlageberatung und Anlagevermittlung wird der NFS zugerechnet.
Dies ist eine Marketingmitteilung. Sie dient ausschließlich Informationszwecken und stellt weder eine individuelle Anlageempfehlung noch ein Angebot zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder sonstigen Finanzinstrumenten dar. Bitte lesen Sie vor einer Anlageentscheidung die verbindlichen Verkaufsdokumente, die Ihnen Ihr Berater oder der jeweilige Emittent auf Anfrage zur Verfügung stellt.
Frühere Wertentwicklungen lassen nicht auf zukünftige Renditen schließen. Wertpapiergeschäfte sind grundsätzlich mit Risiken, insbesondere dem Risiko des Totalverlustes des eingesetzten Kapitals, behaftet.
Diese Marketingmitteilung unterliegt nicht den regulatorischen Anforderungen, welche die Unvoreingenommenheit von Anlageempfehlungen/Anlagestrategieempfehlungen sowie das Verbot des Handels vor der Veröffentlichung der Anlageempfehlung/Anlagestrategieempfehlung vorschreiben.“