Monatsbericht für Anleger – August 2026
Liebe Anlegerinnen und Anleger,
August ist traditionell der Monat, in dem Wall Street in den Ferienmodus schaltet – Handelsvolumina sinken, Kursausschläge werden von dünnen Orderbüchern verstärkt, und die großen Entscheidungsträger residieren eher am Strand als am Bildschirm.
Der August 2026 hielt sich nur bedingt an dieses Drehbuch. Zwar verlief der Monat, gemessen an der Volatilität, tatsächlich vergleichsweise ruhig, doch unter der glatten Oberfläche brodelte es: Fragen rund um Staatsverschuldung, geldpolitische Weichenstellungen und ein Eingriff des US-Finanzministeriums in den Anleihemarkt sorgten für Gesprächsstoff, während die US-Indizes gleichzeitig neue Rekordstände erklommen.
Am Ende stand der S&P 500 mit einem Plus von 2,62 Prozent, der technologiegetriebene Nasdaq legte sogar knapp 3,93 Prozent zu. Der marktbreite Index kletterte damit im Jahresverlauf 2026 bereits zum wiederholten Mal auf ein Allzeithoch – die 27. Bestmarke des Jahres.
Der Start: Schwache Daten als Kurstreiber
Paradox, aber börsenbewährt: Der Monat begann mit enttäuschenden Konjunkturdaten – ein schwacher Arbeitsmarktbericht (NFP) und rückläufige Einzelhandelsumsätze –, die zunächst die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September dämpften und damit Risikoanlagen beflügelten. Die Erholung markierte das Ende einer zweimonatigen Schwächephase, in der der Index von seinem Frühsommerhoch bis zu fünf Prozent verloren hatte. Unterstützung kam zusätzlich von einer – mal wieder vorübergehenden – Beruhigung der Nahost-Spannungen sowie von starken Unternehmensgewinnen, insbesondere aus dem Technologiesektor.
Bessents Bond-Manöver: Gute Absicht, gemischte Wirkung
Die eigentliche Schlagzeile des Monats lieferte jedoch nicht die Notenbank, sondern das US-Finanzministerium. Angesichts steil steigender Renditen langlaufender Staatsanleihen – die die Refinanzierung der auf über 40 Billionen Dollar angeschwollenen Bundesschulden zunehmend verteuern – intervenierte Finanzminister Scott Bessent gleich zweifach. Zunächst unterstützte Washington gemeinsam mit Tokio erstmals seit rund 30 Jahren aktiv den japanischen Yen, offiziell aus Solidarität, tatsächlich aber auch im eigenen Interesse: Ein stabilerer Yen nimmt Japan den Druck, die eigenen Zinsen anzuheben oder US-Staatsanleihen zu verkaufen – beides Szenarien, die US-Renditen weiter nach oben drücken würden.
Am 19. August folgte der zweite Akt: Bessent kündigte Rückkäufe langlaufender Staatsanleihen in Milliardenhöhe an, um die Rendite am langen Ende zu deckeln. Der Effekt blieb überschaubar – Renditen sanken kurz, zogen danach aber wieder an. Kritiker wie der prominente Investor Stan Druckenmiller, früherer Chef Bessents, warfen der Aktion vor, keine Liquiditätssteuerung, sondern reine Kurspflege zu sein, die historisch stets an den Marktfundamentaldaten scheitert. Der Dollar gab nach der Ankündigung nach, während Gold zulegte – ein Signal, dass Investoren zunehmend an der Stabilität amerikanischer Vermögenswerte zweifeln.
Jackson Hole: Warshs erster großer Auftritt als Fed-Chef
Am Ende des Monats stand mit dem Notenbankertreffen in Jackson Hole das geldpolitische Highlight des Jahres an. Fed-Chef Kevin Warsh nutzte seine erste Grundsatzrede im neuen Amt für eine unmissverständlich hawkishe Botschaft: Die Inflation bewege sich nicht schnell genug in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels, und sollte sich das nicht ändern, sei die Notenbank bereit, die Zinsen anzuheben. Die PCE-Kerninflation lag zu diesem Zeitpunkt bei 3,3 Prozent, deutlich über dem Fed-Ziel. Die Marktreaktion war eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung im September, die zuvor bei rund 40 Prozent gelegen hatte, sprang auf etwa 60 Prozent. Kurzlaufende Renditen zogen deutlich an, während die Aktienmärkte auch diese Rede überraschend gelassen aufnahmen.
Bemerkenswert an Warshs Ausführungen: Er betonte, dass sich die US-Wirtschaft trotz aller Störfeuer robust zeige. Die Unternehmensgewinne im S&P 500 seien im vergangenen Jahr um mehr als 20 Prozent gewachsen, die Gewinnmargen lägen historisch hoch, und der reale Konsum sei im Jahresvergleich um mehr als 2 Prozent gestiegen. Diese Stärke der Realwirtschaft erklärt auch, warum die Börsen trotz höherer Zinserwartungen nicht in die Knie gingen.
Nvidia bestätigt den KI-Trend
Für viele Fondsanleger dürfte das Ergebnis von Nvidia der wichtigste Einzeltermin des Monats gewesen sein. Der Chipdesigner meldete für das zweite Quartal einen Umsatz von 96,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 106 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Analystenerwartungen von 92,4 Milliarden Dollar. Zur Einordnung: Im gesamten Jahr 2024 hat Nvidia mit 61 Mrd. US$ nicht annähernd so viel Umsatz gemacht wie in diesem einen Quartal 2026. Besonders das Rechenzentrumsgeschäft, mittlerweile das Herzstück des Konzerns, wuchs um 117 Prozent auf 89 Milliarden Dollar. Die Prognose für das dritte Quartal von 108 Milliarden Dollar übertraf ebenfalls den Konsens. Die Aktie sprang zunächst rund 10 Prozent, gab die Gewinne in den folgenden Handelstagen jedoch komplett wieder ab – ein Muster, das zeigt, wie viel Optimismus im KI-Trade bereits eingepreist ist. Insgesamt bestätigte die Zahl aber, dass die Nachfrage nach KI-Infrastruktur ungebrochen ist, zumal Nvidia gemeinsam mit sechs großen Wall-Street-Vermögensverwaltern Finanzierungsinitiativen für KI-Infrastruktur von bis zu 500 Milliarden Dollar anschob.
Was das für Fondsanleger bedeutet
Für Anleger bleibt die zentrale Erkenntnis: Solide Unternehmensgewinne und ein intakter KI-Investitionszyklus wogen im August schwerer als die Sorgen um Staatsverschuldung, KI-Finanzierungsfragen und steigende Anleiherenditen.
Der Blick nach vorn mahnt zur Wachsamkeit: Historisch ist der September der einzige Monat, der häufiger mit Verlusten als mit Gewinnen endet, während die Renditen globaler Staatsanleihen inzwischen ihr höchstes Niveau seit fast zwei Jahrzehnten erreicht haben. Mit der nächsten Fed-Sitzung in wenigen Wochen sowie anstehenden Daten zu Arbeitsmarkt und Inflation dürfte die Nervosität an den Märkten eher zu- als abnehmen.
Besonderheiten in unseren Fonds:
Im August hatten wir eine Absicherungsquote zwischen 30 % und 50 %. Unsere EUR-USD Absicherung war im August zwischen 50 % und 100 %.
Bei den Aktien haben wir Veränderung im Portfolio vorgenommen. Die Uber Technologies, Spotify und Medtronic wurden neu ins Portfolio aufgenommen. Die Teradyne Inc. haben wir verkauft.
Marktentwicklung im August 2026
Der DM Premium Strategie Defensiv handelte per August 2026 bei 88,76 Euro, der offensive Fonds handelte per Ende August 2026 bei 147,57 Euro.
Der Dow Jones Industrial Average in Euro stieg zum Vergleich um 0,46 % in Euro, der MSCI World Value, stieg 1,52 % in Euro.
In diesem Sinne: Bleiben Sie investiert, bleiben Sie gelassen – und genießen Sie den restlichen Sommer.
Ihr Dirk Müller
Alle Informationen rund um unsere Fonds finden Sie auf www.finanzethos-Fonds.de
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