Monatsbericht für Anleger – September 2026
Liebe Anlegerinnen und Anleger,
der September verlief auf Indexebene ungewöhnlich stabil, war unter der Oberfläche jedoch ein Monat deutlicher Risikoneubewertung. Der S&P 500 lag gegenüber Ende August nahezu unverändert -0,45 %, der Nasdaq Composite gewann 3,2 %, während der Dow Jones -4,29 % verlor. Der gleichgewichtete S&P 500, in dem jede Aktie gleich stark zählt, gab dagegen rund -4,4 % nach. Die Indexstände verschleiern damit eine ausgeprägte Verschlechterung der Marktbreite und eine zunehmende Konzentration der Kursgewinne auf wenige Schwergewichte.
Drei Entwicklungen bestimmten das Marktgeschehen:
- Die US-Notenbank Fed erhöhte erstmals seit 2023 den Leitzins.
- Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg über 5 %.
- Der KI-Investitionszyklus geriet von zwei Seiten unter Druck: durch eine aus der Branche selbst angestoßene Debatte über das Entwicklungstempo und durch erste sichtbare Spannungen bei der Finanzierung der Infrastruktur.
Der gemeinsame Nenner dieser Entwicklungen sind die steigenden Anleiherenditen. Nach Monaten, in denen das Gewinnwachstum der Unternehmen diesen Anstieg ausgleichen konnte, sind sie wieder zur bestimmenden Größe für die Bewertung von Aktien geworden.
Die Fed strafft in einen Angebotsschock hinein
Auf den ersten Blick sprach das Datenbild eindeutig für eine Straffung. Im August entstanden 162.000 neue Stellen gegenüber erwarteten 53.000; die Arbeitslosenquote blieb bei 4,1 %. Die Verbraucherpreise lagen 3,4 % über dem Vorjahresniveau, und auch die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel zog im Monatsvergleich etwas stärker an als erwartet.
Im September erhöhte die Fed den Leitzins einstimmig um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4 %. Die Projektionen der Notenbanker deuten auf eine weitere Anhebung noch in diesem Jahr hin. Für 2027 ist das Gremium dagegen deutlich gespalten: Acht Mitglieder erwarten eine weitere Erhöhung, sechs eine Pause und vier Zinssenkungen.
Bei genauerem Hinsehen zeigt sich jedoch, woher der Inflationsdruck tatsächlich kommt. Im Jahresvergleich lag die Kerninflation mit 2,4 % auf dem niedrigsten Stand seit März 2021, während sich Benzin um mehr als ein Viertel verteuerte. Auch die Löhne stiegen mit 3,1 % nur moderat. Die Fed reagiert damit nicht auf eine überhitzte Nachfrage, sondern auf das Risiko, dass sich der Energiepreisschock nach mehreren Jahren über dem Inflationsziel in Löhnen und Erwartungen festsetzt. Die Zinserhöhung ist daher vor allem ein vorbeugender Schritt zur Sicherung der eigenen Glaubwürdigkeit.
Die Märkte rechnen bereits mit einer Fortsetzung dieses Kurses: Ende September lag die am Terminmarkt eingepreiste Wahrscheinlichkeit eines weiteren Zinsschritts im Oktober bei knapp zwei Dritteln, für Dezember bei knapp der Hälfte. Für Aktien ist diese Konstellation problematisch. Solange die Energiepreise hoch bleiben, kann die Notenbank einer konjunkturellen Abschwächung nicht mit schnellen Zinssenkungen begegnen. Die Absicherung durch die Fed, auf die sich Aktienmärkte in Schwächephasen lange verlassen konnten, steht damit vorerst nicht zur Verfügung.
Der Anleihemarkt übernimmt das Kommando
Der eigentliche Stresstest fand am Anleihemarkt statt. Am 23. September trafen drei Impulse zusammen, die sich gegenseitig verstärkten: steigende Ölpreise, die die Inflationserwartungen erhöhten; die stärksten Einkaufsmanagerdaten seit mehr als fünf Jahren, die gegen eine baldige Wende der Geldpolitik sprachen; und eine Auktion fünfjähriger Staatsanleihen, die nur auf schwache Nachfrage stieß. Vor allem Letzteres lässt aufhorchen: Die Anleger verlangen inzwischen einen höheren Aufschlag dafür, überhaupt langfristige Staatsanleihen zu halten. Am Folgetag stieg die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,21 %, den höchsten Stand seit 2007. Die Rendite dreißigjähriger Anleihen lag knapp unter 5,5 % und damit so hoch wie seit 2004 nicht mehr.
Damit wurde zugleich die begrenzte Wirkung der im August angekündigten Anleiherückkäufe des US-Finanzministeriums sichtbar. Nach der Rückkaufauktion vom 11. September stiegen die Renditen weiter. Das Problem liegt auf der Angebotsseite: Den Rückkäufen im Milliardenbereich steht ein Angebot an langfristigen Anleihen gegenüber, das um ein Vielfaches größer ist. Neben dem hohen staatlichen Finanzierungsbedarf drängen zunehmend Unternehmen an den Kapitalmarkt. Allein KI-Unternehmen haben in diesem Jahr Anleihen im Volumen von mehr als 1,5 Billionen US-Dollar begeben.
Das ist für die Bewertung von KI-Aktien besonders relevant. Der KI-Boom erhöht nicht nur die Gewinnerwartungen einzelner Unternehmen, sondern auch den Kapitalbedarf der gesamten Branche. Große Cloud-Anbieter, Rechenzentrumsentwickler und Energieversorger finanzieren ihren Ausbau zunehmend über den Anleihemarkt. Damit treibt der KI-Boom selbst jene Renditen nach oben, an denen sich die Bewertung von Wachstumsaktien bemisst. Der Internationale Währungsfonds schätzt das weltweite schuldenfinanzierte KI-Investitionsvolumen auf potenziell mehr als 2 Billionen US-Dollar und warnt vor einer Korrektur an den Aktienmärkten, falls die erwarteten Erträge ausbleiben.
Auffällig ist, dass sich der Druck bislang in den Renditen zeigt, nicht in den Risikoaufschlägen für Unternehmensanleihen: Diese sind trotz des Renditeanstiegs historisch niedrig geblieben. Der Markt zweifelt also nicht an der Zahlungsfähigkeit der Unternehmen, sondern verlangt einen höheren Preis für langfristiges Kapital.
Marktbreite bricht
Die wichtigste Information des Monats liegt nicht in der Entwicklung des S&P 500, sondern darin, wie ungleich sich Gewinne und Verluste verteilten. Neun der elf Sektoren des Index lagen im September im Minus, US-Bankenwerte verloren mehr als 10 % gegenüber ihren August-Hochs. Gleichzeitig markierten die sieben großen US-Technologiekonzerne, die sogenannten „Magnificent Seven“, nach der Zinserhöhung neue Hochs. Damit kehrt sich das bisherige Jahresmuster um: Noch Mitte September hatte die durchschnittliche Aktie seit Jahresbeginn fast genauso gut abgeschnitten wie der Index. Mit dem Renditeanstieg der letzten Septemberwochen brach diese Marktbreite abrupt weg. Anders als im Lehrbuch traf er dabei nicht vor allem die Wachstumswerte, sondern Unternehmen, die sich regelmäßig am Kapitalmarkt refinanzieren müssen.
Auch die ruhige Oberfläche täuscht. Der Volatilitätsindex VIX blieb mit rund 15 Punkten niedrig, doch das lag vor allem daran, dass sich Gewinner und Verlierer im Index gegenseitig ausglichen. Für einzelne Aktien war der Monat deutlich schwankungsreicher, als die Indexstände vermuten lassen. Die Abflüsse aus US-Aktienfonds von 14,2 Mrd. US-Dollar innerhalb von drei Wochen, der stärkste Abfluss seit Januar, zeigen, dass Investoren diese Verschlechterung der Marktstruktur zunehmend wahrnehmen.
Bewertung und KI-Zyklus
Nach dem Rücksetzer zur Monatsmitte notierte der S&P 500 beim rund 19-Fachen der erwarteten Gewinne. Das ist günstiger als in den Vormonaten, stellt jedoch keine echte Entspannung dar. Ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19 entspricht einer Gewinnrendite von rund 5,3 %. Bei einer Rendite zehnjähriger Staatsanleihen von mehr als 5,1 % bieten Aktien damit rechnerisch kaum noch einen Renditevorsprung gegenüber sicheren Anleihen.
Der Markt wird damit allein von der Erwartung weiter steigender Gewinne getragen, ein Bewertungspolster gibt es nicht. Enttäuschungen bei den Margen oder den Erträgen der KI-Investitionen würden daher direkt auf die Kurse durchschlagen. Ed Yardeni senkte sein Jahresendziel für den S&P 500 von 8.400 auf 7.900 Punkte. Das liegt zwar noch leicht über dem aktuellen Niveau, signalisiert aber deutlich gedämpfte Erwartungen. Morgan Stanley hält kurzfristig einen Rückgang von bis zu 7 % für möglich, sollten die Energiepreise erneut steigen und die zehnjährige Rendite um 5 % verharren.
Auch innerhalb des KI-Segments verschiebt sich die Risikowahrnehmung. Anthropic-Chef Dario Amodei plädierte Mitte September dafür, das Entwicklungstempo der leistungsfähigsten KI-Modelle zu drosseln, damit Sicherheitsprüfungen Schritt halten können. Microsoft, OpenAI und SpaceX AI schlossen sich einem vorsichtigeren Kurs an. Die Reaktion fiel gegenläufig aus: Der Halbleiterindex verlor darauf fast 6 %, während Softwarewerte wie ServiceNow, Adobe und Workday deutlich zulegten. Der Grund: Ein langsamerer Fortschritt dämpft zwar die Nachfrage nach Chips und Rechenzentren, verringert aber auch die Gefahr, dass etablierte Softwareanbieter von KI verdrängt werden.
Die Erholung folgte rasch: Bereits eine Woche später schloss der Nasdaq auf einem Rekordhoch, und AMD überschritt erstmals einen Börsenwert von einer Billion US-Dollar. Das unterstreicht, wie sehr sich Kapital und Marktmacht bei den führenden Chipherstellern bündeln. Eine Entwarnung ist das jedoch nicht. Wichtiger sind die Signale vom Kreditmarkt. Oracle hat sich bei einem großen Rechenzentrumsprojekt in New Mexico auf höhere Gewalt berufen, um Zahlungen aufschieben zu können, falls die Anlage nicht planmäßig ans Netz geht. Die Anleihen des Projekts notieren inzwischen spürbar unter ihrem Nennwert. Der Engpass im KI-Zyklus liegt damit zunehmend nicht mehr bei der Nachfrage, sondern bei Stromversorgung, Genehmigungen und Finanzierung. Der Kreditmarkt preist diese Risiken bereits ein, der Aktienmarkt noch kaum.
Konsequenzen für Anleger
Die steigenden Anleiherenditen treffen nicht alle Unternehmen gleichermaßen. Bei der Aktienauswahl rücken deshalb drei Eigenschaften in den Vordergrund:
- eine solide Bilanz, die nicht auf neue Kredite angewiesen ist,
- die Fähigkeit, steigende Kosten an die Kunden weiterzugeben,
- Investitionen, die aus eigenen Erträgen statt über Schulden finanziert werden.
Dass sich die Kursgewinne auf wenige Schwergewichte konzentrieren, wird selbst zum Risiko. Sollte der KI-Handel ins Stocken geraten, fehlt dem übrigen Markt die Kraft, Verluste der größten Titel aufzufangen. Zugleich sendet der Konsum erste Warnsignale: Das Verbrauchervertrauen der Universität Michigan fiel auf ein Viermonatstief.
Der Oktober bringt eine Reihe wichtiger Termine: den Arbeitsmarktbericht am 2. Oktober, die Verbraucherpreise am 14. Oktober, anschließend die Berichtssaison zum dritten Quartal und Ende Oktober die nächste Fed-Sitzung.
Solange die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen über 5 % liegt und der durch den Iran-Konflikt erhöhte Ölpreis nicht nachhaltig sinkt, kann der Markt Enttäuschungen nur schlecht verkraften. Es gibt allerdings auch ein Gegengewicht: Viele Anleiheinvestoren haben auf weiter steigende Renditen gesetzt. Fallen Inflations- oder Arbeitsmarktdaten schwächer aus als erwartet, könnten die Renditen daher schnell und deutlich sinken. Für Aktien wäre das zunächst positiv. Ob die Erholung von Dauer ist, hängt aber davon ab, warum die Renditen fallen: weil die Inflation nachlässt oder weil sich die Konjunktur abrupt abschwächt.
Besonderheiten in unseren Fonds:
Im September hatten wir eine Absicherungsquote zwischen 30 % und 43 %. Unsere EUR‑USD‑Absicherung war im September zwischen 50 % und 100 %.
Bei den Aktien haben wir Veränderungen im Portfolio vorgenommen. Die Synopsys haben wir verkauft.
Marktentwicklung im September 2026
Der DM Premium Strategie Defensiv handelte per September 2026 bei 88,63 Euro, der offensive Fonds handelte per Ende September 2026 bei 146,42 Euro.
Der Dow Jones Industrial Average in Euro verlor zum Vergleich -1,43 % in Euro, der MSCI World Value, stieg um 0,01 % in Euro.
In diesem Sinne: Bleiben Sie investiert, bleiben Sie gelassen – und genießen Sie den Sommer.
Ihr Dirk Müller
Alle Informationen rund um unsere Fonds finden Sie auf www.finanzethos-Fonds.de
Hinweis: Alle Angaben beziehen sich auf den Zeitraum 1.–30. September 2026. Dieser Bericht dient ausschließlich der Information und stellt keine Anlageberatung dar.
Frühere Wertentwicklungen, Simulationen oder Prognosen stellen keinen verlässlichen Indikator für die künftige Wertentwicklung dar.
„Die Anlageberatung und Anlagevermittlung (§ 2 Abs. 2 Nr. 3 und 4 WpIG) erbringen wir als vertraglich gebundener Vermittler gemäß § 3 Abs. 2 WpIG ausschließlich für Rechnung und unter der Haftung der NFS Netfonds Financial Service GmbH, Heidenkampsweg 73, 20097 Hamburg (NFS). Die NFS ist ein Wertpapierinstitut gem. § 2 Abs. 1 WpIG. Unsere Tätigkeit bei der Anlageberatung und Anlagevermittlung wird der NFS zugerechnet.
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