Monatsbericht für Anleger – Mai 2026
Auf einen Blick
- Freundlicher Mai an den US-Aktienmärkten, aber geringe Marktbreite: Die Gewinne kamen vor allem aus wenigen großen Halbleiter- und AI-Werten, nicht aus dem breiten Technologiesektor.
- Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg zeitweise auf 4,66% – den höchsten Stand seit über einem Jahr – und blieb der zentrale Belastungsfaktor.
- Der Ölpreis korrigierte deutlich, nachdem Präsident Trump ein baldiges Ende des Iran-Konflikts in Aussicht stellte; zusätzlich verließen die VAE zum 1. Mai die OPEC – ein struktureller Dämpfer für das Angebot.
- Der Anstieg wird mechanisch verstärkt: Regelbasierte Momentum-ETFs rotieren automatisch in die jüngsten Gewinner – derzeit fast ausschließlich AI-Hardware.
- BofA Fund Manager Survey (Mai): Cashquote auf 3,9% gefallen (unter der 4%-„Sell-Signal“-Schwelle), Aktien-Übergewichtung im Rekordsprung – wenig Puffer in der Positionierung.
- Die Q1-Berichtssaison lief im Mai aus und fiel stark aus (84% Gewinn-Beats), doch verfehlte Schätzungen und schwache Ausblicke wurden überdurchschnittlich hart abgestraft.
- Die Bewertung bleibt anspruchsvoll (Forward-KGV des S&P 500 rund 20,9 bis 22,7). Wir bleiben selektiv und diszipliniert positioniert.
Marktüberblick
Der Mai verlief für die US-Aktienmärkte freundlich, jedoch mit einer wichtigen Einschränkung: Die Kursgewinne waren nicht breit abgestützt. S&P 500 und Nasdaq 100 erreichten neue Höchststände, der Dow Jones legte mit weniger Dynamik zu – getragen wurde der Markt aber vor allem von wenigen Schwergewichten aus dem Halbleiter- und AI-Infrastrukturbereich. Klassische Softwaretitel wurden deutlich selektiver bewertet.
Für Anleger ist diese geringe Breite der entscheidende Punkt des Monats: Ein Markt, der von wenigen Titeln getragen wird, bleibt anfällig für kurzfristige Rücksetzer. Zugleich zeigt die Differenzierung, dass nicht pauschal „Tech“ gekauft wird, sondern gezielt zwischen Geschäftsmodellen mit direktem Umsatzhebel aus der KI-Investitionswelle und solchen mit noch unbewiesenem Wachstum unterschieden wird.
Momentum und Positionierung
Der starke Anstieg der KI- und Halbleiterwerte erklärt sich nicht allein aus den Fundamentaldaten, sondern wird zunehmend durch die Marktmechanik selbst verstärkt. Ein wachsender Teil der Mittel fließt über regelbasierte Momentum-Strategien, die nicht nach Bewertung oder Geschäftsmodell auswählen, sondern schlicht in die jüngsten Gewinner umschichten. Da diese Gewinner derzeit fast ausschließlich AI-Hardware-Namen sind, kaufen Momentum-ETFs mechanisch genau jene Titel nach, die ohnehin schon stark gelaufen sind. Ein bekannter Technologie-Momentum-ETF hat im laufenden Jahr rund 58% zugelegt – ein Fonds, der ohne fundamentale Prüfung allein der relativen Stärke folgt.
Dieser Mechanismus ist selbstverstärkend: Steigende Kurse erhöhen das Indexgewicht, das wiederum weitere Käufe auslöst. Solange der Trend hält, beschleunigt das die Bewegung. Kehrt das Momentum, läuft derselbe Mechanismus rückwärts – mechanische Verkäufe verstärken dann den Rückgang. Genau das macht die enge Marktführung anfällig: Was den Anstieg trägt, kann einen Rücksetzer ebenso beschleunigen.
Verstärkt wird das durch die Positionierung der Profis. Der Bank-of-America-Fund-Manager-Survey vom Mai zeigt eine ausgeprägte Rückkehr ins Risiko: Die durchschnittliche Cashquote fiel von 4,3% auf 3,9% – der stärkste Monatsrückgang seit Februar 2024 – und damit unter die 4%-Marke, die historisch als „Sell-Signal“ für Aktien gilt. Gleichzeitig stieg die Aktien-Übergewichtung der befragten Manager auf netto 50% (nach netto 13% im Vormonat), der größte Monatssprung seit Jahrzehnten. BofA spricht von einer nahezu vollständigen Kapitulation der „Skeptiker.“
Für die Einordnung heißt das: Wenn Cash weitgehend investiert und die Stimmung euphorisch ist, fehlt die Liquiditätsreserve, die Rücksetzer üblicherweise abfedert. Historisch folgte auf solche Signale im Median nur ein leichter Aktienrückgang über vier Wochen, allerdings mit großer Streuung – ein Warnhinweis, kein Automatismus. Niedrige Cashquoten sind kein präzises Timing-Signal, sie zeigen aber, dass viel Optimismus bereits eingepreist ist und der Markt damit weniger fehlerverzeihend wird. Das deckt sich mit dem Bild der geringen Breite und unterstreicht den Wert einer disziplinierten, nicht trendgetriebenen Positionierung.
Zinsen, Öl und Marktstimmung
Belastend wirkte erneut das Zinsniveau. Die Rendite der 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg zeitweise auf 4,66% – den höchsten Stand seit über einem Jahr – bevor sie wieder etwas zurückkam. Höhere Renditen belasten die Bewertung wachstumsstarker Unternehmen und machen den Gesamtmarkt weniger fehlerverzeihend. Das verstärkt die ohnehin geringe Marktbreite zusätzlich.
Beim Öl kam es zu einer deutlichen Gegenbewegung nach unten. Preisdruck entstand vor allem, als Präsident Trump öffentlich erklärte, die Verhandlungen mit Iran seien in der Endphase bzw. der Konflikt werde „sehr schnell“ enden. Die Folge war ein spürbarer Rückgang der Risikoprämie im Ölpreis. Bemerkenswert ist dabei weniger die Faktenlage als die Mechanik: Politische Kommunikation ist derzeit selbst ein Marktfaktor. Je nachdem, ob der Ton versöhnlich oder konfrontativ ausfällt, verschieben sich Ölpreis, Inflationssorgen und damit auch die Bereitschaft des Marktes, hohe Bewertungsmultiples zu akzeptieren.
Hinzu kam ein struktureller Angebotsfaktor: Zum 1. Mai verließen die Vereinigten Arabischen Emirate als drittgrößter OPEC-Produzent die Organisation – ein Signal nachlassender Förderdisziplin, das mittelfristig eher preisdämpfend wirkt. Der unmittelbare Preiseffekt blieb zwar begrenzt, doch die schwindende OPEC-Kohäsion dürfte das Ölangebot langfristig weniger steuerbar und den Preis volatiler machen.
Die Verbraucherstimmung blieb verhalten. Der Conference-Board-Index lag zuletzt (April) bei 92,8 – stabiler als befürchtet, aber ohne belastbare Konjunkturzuversicht. Das passt zu einer K-förmigen Realität: Vermögende Haushalte profitieren weiter von Vermögenseffekten, während einkommensschwächere Gruppen unter Zinsen, Energiepreisen und höheren Lebenshaltungskosten leiden.
Berichtssaison
Die Berichtssaison zum ersten Quartal lief im Mai weitgehend aus und fiel überraschend stark aus. Nach FactSet übertrafen 84% der S&P-500-Unternehmen die Gewinnschätzungen – das liegt deutlich über dem 5-Jahres-Schnitt von 78% und ist die höchste Quote seit dem zweiten Quartal 2021. Auch Breite und Ausmaß der positiven Überraschungen lagen über den Erwartungen; die aggregierte Nettogewinnmarge erreichte mit 13,4% den höchsten Stand seit Beginn der FactSet-Erhebung 2009. Besonders die Mega-Caps lieferten auf der Gewinnseite: Auf EPS-Basis übertrafen nach FactSet alle sieben „Magnificent 7“ die Schätzungen, im Aggregat um rund ein Drittel. Die Marktreaktion fiel jedoch uneinheitlich aus – mehrere Berichte wurden trotz Gewinn-Beat skeptisch aufgenommen, vor allem wegen stark steigender KI-Investitionsbudgets und vorsichtigerer Ausblicke. Tesla etwa schlug die Schätzungen, gab die anfänglichen Kursgewinne im Verlauf der Telefonkonferenz aber wieder ab. Ein Gewinn-Beat ist damit selbst bei den Mega-Caps kein Selbstläufer mehr.
Bemerkenswert war jedoch weniger das gute Durchschnittsergebnis als die Reaktion des Marktes darauf. Die Kursbewegungen waren auffällig asymmetrisch: Positive Überraschungen wurden nur moderat belohnt (im Schnitt rund +1% rund um die Veröffentlichung), während Enttäuschungen – verfehlte Schätzungen oder ein nicht überzeugender Ausblick – mit durchschnittlich rund -5% deutlich härter abgestraft wurden als üblich (5-Jahres-Schnitt: -2,9%). Bei hoch bewerteten Titeln genügte teils schon ein etwas vorsichtigerer Ausblick für kräftige Kursverluste.
Diese Asymmetrie ist für die Positionierung der eigentlich wichtige Punkt: In einem Markt mit anspruchsvoller Bewertung und enger Führung ist viel Gutes bereits eingepreist. Gute Zahlen werden erwartet und kaum noch honoriert, jede Enttäuschung dagegen sofort bestraft. Das erhöht das Einzeltitelrisiko spürbar und spricht erneut für Qualität und Selektion statt breiter Trendpositionierung.
Bewertung und Sektoren – was daraus folgt
Die im Markt sichtbare Trennung hat unmittelbare Konsequenzen für das Portfolio. Belohnt werden derzeit Unternehmen mit direktem Umsatzhebel aus den anhaltenden Investitionen großer Plattformunternehmen in KI-Infrastruktur – nicht der Technologiesektor pauschal. Gelaufene Tech-Positionen sollten deshalb gezielt auf diesen Hebel sowie auf Qualität geprüft werden, statt sie aus bloßer Indexnähe unverändert zu halten.
Hinzu kommt die anspruchsvolle Gesamtbewertung: Das Forward-KGV des S&P 500 liegt nach den verfügbaren Marktdaten bei rund 21 und damit deutlich über dem langfristig normalen Niveau. Diese Bewertung ist nur tragfähig, wenn die Gewinne weiter steigen und sich das Zinsumfeld nicht erneut verschlechtert – was den Spielraum für Enttäuschungen klein hält.
Ausblick und Positionierung
Für den kommenden Monat sehen wir drei zentrale Risikofelder: einen erneuten Anstieg der Renditen, neue geopolitische Spannungen – die über den Ölmarkt direkt in die Aktienstimmung hineinwirken – sowie enttäuschende Inflations- oder Konsumdaten. Hinzu kommt die ausgereizte Positionierung: Niedrige Cashquoten und mechanische Momentum-Flüsse haben den Anstieg beschleunigt, würden eine Trendumkehr aber ebenso verstärken. Gerade nach der starken Entwicklung im Technologiebereich wäre der Markt daher anfällig für Gewinnmitnahmen, falls mehrere dieser Faktoren gleichzeitig negativ wirken.
Daraus leiten wir einen selektiven und disziplinierten Ansatz ab: gelaufene Positionen konsequent auf Bewertung, Qualität und Markttechnik überprüfen, eine moderate Liquiditätsreserve vorhalten und die Absicherung gegen stärkere Rücksetzer im Blick behalten – insbesondere, solange die Marktbreite eng bleibt.
Besonderheiten in unseren Fonds:
Im Mai hatten wir eine Absicherungsquote zwischen 40 % und 70 %. Insbesondere über die Wochenenden hatten wir diese regelmäßig auf bis zu 70 % erhöht, um möglichen unliebsamen Überraschungen – die merkwürdigerweise meist an Wochenenden geschehen, wenn die Börsen geschlossen haben und keine Reaktionen erlauben – vorzubeugen. Unsere EUR-USD Absicherung war im Mai konstant bei 100%.
Bei den Aktien haben wir keine Veränderung im Portfolio vorgenommen. Die außergewöhnliche Performance zahlreicher KI- und AI-Werte haben wir genutzt, um die Portfoliogewichtung in diesem Segment gezielt zurückzuführen. Im Gegenzug wurden Positionen in ausgewählten Softwareunternehmen aufgebaut bzw. aufgestockt, um von einer Sektorrotation zu profitieren.
Marktentwicklung im Mai 2026
Der DM Premium Strategie Defensiv handelte per Mai 2026 bei 90,06 Euro, der offensive Fonds handelte per Ende Mai 2026 bei 144,79 Euro.
Der Dow Jones Industrial Average in Euro stieg zum Vergleich um 3,26 % in Euro, der MSCI World Value ebenso in Euro fiel um 2,50 %.
In diesem Sinne: Bleiben Sie investiert, bleiben Sie gelassen – und genießen Sie den Frühling.
Ihr Dirk Müller
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